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Arbeits- und Sozialrecht
Typisch für sozialistische Gesellschaften war die Regelung eines einheitlichen Arbeitsrechts. Es basierte nicht auf der Vertragsfreiheit vergleichbar nach dem BGB sondern auf Rechten und Pflichten des Individuums gegenüber der Gesellschaft; siehe hierzu das Arbeitsrecht in der DDR.
Die Sozialversicherung, einschließlich der Kranken- und Rentenversicherung, oblag für Arbeiter und Angestellte als einheitliche Pflichtversicherung der Sozialversicherung des FDGB sowie für selbstständige Unternehmer der Staatlichen Versicherung der DDR.
Außenhandel
Multicar: 70 % der Produktion wurden exportiert
MZ Motorrad
Die DDR war als hochindustrialisiertes Land auf den Import diverser Waren, Nahrungsgüter und Rohstoffe angewiesen. Einkäufe auf dem Weltmarkt musste sie mangels einer konvertierbaren Währung über Tauschgeschäfte oder selbst erwirtschaftete Devisen erwirtschaften und erzielte dabei zunehmende Außenhandelsvolumina (Angaben in Milliarden Valutamark, effektive Preise; S. 32):[7]
Jahr Außenhandels-
umsatz
gesamt davon in
sozialistische
Länder davon in
Entwicklungs-
länder davon in
kapitalistische
Industrieländer
1950 3,678 2,660 0,014 1,004
1960 18,487 13,799 0,791 3,897
1970 39,597 28,340 1,601 5,346
1980 120,101 79,810 7,331 32,960
1988 177,337 122,549 5,889 48,898
Allerdings waren Devisenknappheit und Schwierigkeiten in der Rohstoffbeschaffung zum Ende der DDR ein immer drängenderes Problem, gegen das auch unkonventionelle Devisenbeschaffungsmaßnahmen nicht aushalfen.
Die wichtigsten Außenhandelspartner waren noch vor den sozialistischen Bruderländern die Sowjetunion und die Bundesrepublik. Die vergleichsweise kleine DDR war mit einem Anteil von 11 Prozent am Außenhandel der Sowjetunion deren größter Handelspartner. Umgekehrt betrug der sowjetische Anteil am DDR-Außenhandel 40 Prozent. Der Warenaustausch mit der Sowjetunion wuchs von 1,5 Milliarden Valutamark (1950) über 7,9 Milliarden Valutamark (1960) und erreichte einen Wert von 71 Milliarden Valutamark im Jahr 1987. Fielen in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg noch Reparationsleistungen darunter, entwickelte sich unabhängig davon ein reger Warenaustausch. Der war bedingt durch die industrielle Leistungsfähigkeit wie auch den Rohstoffbedarf der DDR. Diese war z. B. von Steinkohlelieferungen aus dem Ruhrgebiet und dem früheren Oberschlesien abgeschnitten worden und musste dies technisch substituieren. Sie war im RGW neben der heimischen Braunkohle vor allem auf Erdöl aus der UdSSR als Basis ihrer Energiewirtschaft und chemischen Industrie angewiesen. Die Sowjetunion ihrerseits hatte einen bedeutenden Bedarf an Industrie- Konsum- und (auch militärischen) Elektronikgütern.
Mit dem Beitritt der DDR in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW/COMECON) im Herbst 1950 wurde versucht, die Volkswirtschaften der Mitgliedsländer arbeitsteilig zu koordinieren und mit einer internationale Spezialisierung und Kooperation Mangelerscheinungen zu beseitigen. Die DDR-Wirtschaft hatte unter anderem die Aufgabe, den Industrialisierungsbedarf der Sowjetunion zu decken. Dies betraf die Infrastruktur, landwirtschaftliche Maschinen und Transportausrüstungen, Schiffe, Reisezugwagen, Werkzeugmaschinen und Krane. Darüber hinaus lieferte die DDR über die dafür gegründete Wismut AG Uranpechblende in die UdSSR, die für die Atomwaffenproduktion eingesetzt wurde. Der 1983 gefasste Entschluss, im Rahmen der sogenannten Mikroelektronikinitiative, die Militärindustrie und Rüstungsexporte erheblich zu erweitern, kam aufgrund der Politik Gorbatschows nicht mehr zum Tragen.
15 Prozent des DDR-Außenhandelsvolumens wurden zollfrei im sogenannten Interzonenhandel mit der Bundesrepublik abgewickelt und getauscht. Die DDR ermöglichte damit Technologietransfer aus dem Westen in die Sowjetunion und konnte indirekt auch auf den westeuropäischen Markt zugreifen. In den 1970er-Jahren profitierte die DDR erheblich vom Zwischenhandel mit sowjetischem Rohöl und davon abgeleitenen Chemierohstoffen und Treibstoff mit dem Westen. Ein weiteres wichtiges Importgut war Kaffee, dessen Rationierung schließlich in der DDR-Kaffeekrise gipfelte. Die Einstellung der sowjetischen Kaffeelieferungen 1954 führte zu einer der ersten DDR-Versorgungskrisen, wodurch Kaffee bis in die 1970er-Jahre zu einem der wichtigsten Posten im Haushaltsbudget der DDR-Haushalte wurde.[58] Ein durch Missernte ausgelöster Preisanstieg 1977 verringerte merklich das Angebot und die notwendigen drastischen Preiserhöhungen und der Versuch, ersatzkaffeehaltige Kaffeemischungen[59] einzuführen, führten zu breiten und ungewohnt heftigen Protesten der Bevölkerung und einem erheblichen Gesichtsverlust der politischen Führung. Ein wichtige Stütze der Kaffeeversorgung waren dabei die sogenannten „Westpakete“, mittels welcher 1979 rund 9300 Tonnen Kaffee in die DDR verschickt wurden.[60]
Technik und Wissenschaft
→ Hauptartikel: Wissenschaft und Technik in der DDR
Als Industrieland versuchte die DDR sich auf vielen industriellen und technischen Gebieten vom Westen unabhängig zu machen und ihre technischen Aufgaben im Rahmen des RGW und der „sozialistischen Integration“ zu erfüllen. Eine wesentliche Rolle sollten dabei Wissenschaftler und Techniker der DDR spielen. Auf einigen Gebieten waren erhebliche Erfolge zu verzeichnen. Die Forschung und Wissenschaft in der DDR war erheblich anwendungsorientiert und praxisbezogen.
Bekannte Wissenschaftler und Techniker der DDR:
Sigmund Jähn
* Manfred von Ardenne (19071997), Erfinder
* Heinz Barwich (19111966), Kernphysiker
* Friedrich Behrens (19091980), Wirtschaftswissenschaftler
* Arne Benary (19291971), Wirtschaftswissenschaftler
* Klaus Fuchs (19111988), Physiker und Spion
* Werner Hartmann (19121988), Physiker und Begründer der Mikroelektronik in der DDR
* Gustav Hertz (18871975), Physiker
* Karl Lanius (1927), Physiker
* Sigmund Jähn (* 1937), Kosmonaut, Jagdflieger, Physiker, Militärwissenschaftler
* Nikolaus Joachim Lehmann (19211998), Mathematiker, Wegbereiter des Kleincomputers
* Jens Reich (* 1939), Molekularbiologe, Arzt, Essayist
* Max Steenbeck (19041981), Physiker
* Hans-Jürgen Treder (19282006), Physiker
* Heinz Kautzleben (* 1934), Wissenschaftler und Geophysiker
Weitere Personen siehe auch Liste der Wissenschaftler, Techniker, Erfinder und Forscher der DDR
Kultur, Bildung, Sport
Kultur
→ Hauptartikel: Kultur in der DDR
Ausschnitt aus dem Buntglasfenster im Berliner Staatsratsgebäude
Der Kultur wurde große Aufmerksamkeit gewidmet. Es war erklärtes Ziel, als sozialistische Kultur zur ideologischen Erziehung und Gestaltung eines sozialistischen Weltbildes beizutragen. Entsprechend streng war die Zensur.
Semper-Oper, 1960
Gab es 1957 allein 86 Theater, 40 Sinfonieorchester, 11.092 Bibliotheken, 284 Heimat- Kunst- und Naturkundemuseen, 803 Kulturhäuser, 451 Klubhäuser, 6 hauptberufliche Volkskunstensembles und 3078 Kinos, so zählte man 1988 18.505 staatliche, Gewerkschafts- und wissenschaftliche Bibliotheken, 1.838 Kultur- und Klubhäuser, 962 Jugendklubs, 111 Musikschulen, 213 Theater, 88 Orchester, 808 Kinos, 10 Kabaretts, 741 Museen und 117 zoologische oder Heimattiergärten (S. 318328).[7]
Die Auftragskunst der DDR und fast sämtliche im Staatsbesitz befindlichen Kunstwerke der DDR wurden kurz vor der Wiedervereinigung vom letzten Kulturminister der DDR Herbert Schirmer aus allen Städten, Volkseigenen Betrieben, Schulen, Kulturhäusern, Pionierhäusern, Klubs etc. eingezogen und in die Burg Beeskow gebracht. Es waren 23.000 Werke, bestehend aus 1500 Gemälden, 12.000 Grafiken, 2000 Zeichnungen, aus Fotos, Plakaten, Plastiken, und Gastgeschenken an staatliche Stellen und Betriebe. Seitdem wurden diese Werke vom Kunstarchiv Beeskow verwaltet, das damit regelmäßig Ausstellungen zusammenstellt.
Jugendkulturen
→ Hauptartikel: Jugendkultur in der DDR
Betriebs-Disko, 1977
Betriebs-Singegruppe, 1978
Struktur des Schulsystems der DDR
Das Bildungssystem und die intensive Begabtenauswahl im Sport stellte hohe Erwartungen an das systemkonforme Verhalten von Jugendlichen. Die an der bündischen Jugendbewegung und den politischen Jugendorganisationen Anfangs des Jahrhunderts orientierte Freie Deutsche Jugend (FDJ) knüpfte an Jugenderfahrungen der DDR-Führungsschicht an. Neben dieser offiziösen Jugendkultur existierten stets auch verschiedene Subkulturen[61] und umfangreiche Wechselwirkungen.
Für die DDR-Jugendkultur prägend waren unter anderem Filme wie Die Legende von Paul und Paula und Heißer Sommer Ende der 1960er-Jahre. 1964 wurde das DDR-Jugendradio DT64 gegründet, das auch im Westen Anhänger fand. Nach diesem Aufleben einer DDR-eigenen Beatbewegung mit Gruppen wie den Sputniks, den Butlers und des Diana Show Quartetts sah die DDR-Führung diese Bewegung ab 1965 kritischer. Es kam zu strengen Kontrollen, Auflagen und Verboten, die zur Leipziger Beatdemo führten. Bekannt wurde Walter Ulbrichts Aussage „Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nu kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.“
Anfang der 1970er-Jahre wurde Ulrich Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W. zu einem Dokument einer DDR-spezifischen Außenseiterkultur. Im Rahmen von Veranstaltungen in der Bundesrepublik wie dem Festival der Jugend ergab sich eine intensive Wechselwirkung mit dem Westen, so durch Bands wie die Puhdys, Karat und Pankow, die Singebewegung und die DDR-spezifische Liedermacherkultur. Ein wesentlicher Bruch war die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976.
Nonkonformistische Jugendliche engagierten sich zunehmend innerhalb der kirchlichen Jugendarbeit, einschließlich den Punks in der DDR. Seit etwa 1985 entstand die Grufti-Bewegung.[62] Mitte der 1980er-Jahre gab es in allen ostdeutschen Großstädten Skinhead-Gruppen. Rechtsextreme Jugendliche sammelten sich unter anderem im Umfeld einiger Fussballclubs.[63]
Bildungswesen
→ Hauptartikel: Schulsystem der DDR
1957 gab es in der DDR 10.471 allgemeinbildende Schulen (darunter 1150 Mittelschulen und 373 Oberschulen, d. h. EOS. Durch Zentralisierung und Erhöhung der Klassenzahlen wurde die Anzahl der allgemeinbildenden Schulen (POS, EOS, Sonderschulen) bis 1988 auf 5907 gesenkt (S. 304).[7]
In der Berufsausbildung vollzog sich eine ähnliche Entwicklung. Waren es 1950 noch 1583 Berufsschulen, zählte man 1988 noch 955 (S. 306).[7] Es war garantiert, dass jeder Schulabgänger eine Lehre annahm oder zum Studium an eine Hoch- oder Fachschule beziehungsweise an eine Universität ging. 1957 gab es 307 Fachschulen, 46 Hochschulen (darunter sechs Universitäten) und fünf Akademien. Im Jahr 1988 zählte man noch 237 Fachschulen und 53 Hochschulen und Universitäten (S. 312 f.).[7]
Das Bildungssystem der DDR war im Wesentlichen als ein einheitliches Gemeinschaftsschulsystem konzipiert, mit anschließenden tertiären Bildungseinrichtungen. Aufbauend auf der Vorschulerziehung im Kindergarten und der ab den 1950er-Jahren für alle Kinder verbindlichen zehnklassigen polytechnischen Oberschule (POS)[64] folgten
* eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung (Abschluss Facharbeiter)
* eine dreijährige Berufsausbildung (Facharbeiterbrief mit Abitur) oder
* eine Abiturausbildung auf der Erweiterten Oberschule (EOS). Diese begann bereits nach der 8. Klasse der POS und führte in vier Jahren zum Abitur. Erst ab Beginn der 1980er-Jahre schlossen sich zwei Jahre EOS an die Beendigung der zehnjährigen POS an.
Wesentliche Merkmale des Schulsystems der DDR waren
* einheitliche Bildungsinhalte für alle Kinder bis Klasse 8 (später 10) und Beginn der äußeren Differenzierung nach Klasse 10; diese Einheitlichkeit war die Grundlage der Abschlussprüfungen der 10. Klasse und des Abiturs;
* die gezielte Vorbereitung auf die spätere Arbeitswelt durch polytechnische Ausbildung und eine Schwerpunktsetzung auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, während die geisteswissenschaftlichen Fächer stark ideologisch ausgerichtet waren;
* das Bemühen um eine Einheit von Bildung und Erziehung mit dem Ziel der vollständigen Integration der Absolventen in die sozialistische Gesellschaft (und geringer Toleranz für Andersdenkende).
Trotz einer Ausbildungs- und Arbeitsplatzgarantie und einem sehr hohen Anpassungsdruck auf nicht der Norm entsprechende Jugendliche gab es eine signifikante Anzahl von Ungelernten[65] in der DDR. Der Anteil der Schulabgänger mit Hochschulreife war in der DDR deutlich geringer als im Westen.[66]