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Produktion
Der erste Fünfjahrplan von 1951 bis 1955 verfolgte hauptsächlich das Ziel, die Folgen der Kriegszerstörungen, Demontagen und Reparationen zu beseitigen und die Produktion speziell der Energiewirtschaft, der Schwer- und chemischen Industrie zu steigern. 1955 existierten in der DDR noch über 13.000 Privatbetriebe, und in der Landwirtschaft war die Kollektivierung erst 1960 abgeschlossen.
1957 erreichten die Produktionszahlen der DDR die doppelte Höhe der vor dem Zweiten Weltkrieg auf ihrem späteren Gebiet erbrachten Leistungen. Im gleichen Jahr wurden in der DDR 213 Mio. Tonnen Rohbraunkohle gefördert (50 Prozent der Weltförderung), 32,7 Mrd. Kilowattstunden Strom produziert, 2,9 Mio. Tonnen Stahl (14 mal so viel wie noch 1947), in der Chemieproduktion hatte die DDR weltweit die zweithöchste Produktionsrate und war der größte Maschinenexporteur aller Ostblockstaaten, bis 1965 erreichte die Industrieproduktion etwa das fünffache des Vorkriegsstandes.
Am Anfang der 1970er-Jahre war die DDR für kurze Zeit das zehntgrößte Industrieland der Erde, gemessen an ihrer Produktionsleistung; z. B. überstieg das Pro-Kopf-BIP 1980 das von Großbritannien zu damaliger Zeit. Zur Zeit der Wende nahm sie noch einen Platz unter den fünfundzwanzig stärksten Industrienationen ein.
1972 gab es auf Beschluss des Ministerrates eine letzte Verstaatlichungswelle. Der Anteil der Privatbetriebe sank auf unter zwei Prozent. Doch erst 1976 war die Verstaatlichung mit der Enteignung aller Privatwälder abgeschlossen.
Nationaleinkommen der DDR in Milliarden Mark der DDR nach vergleichbaren Preisen (Basis 1985, S. 13):[7]
Jahr gesellschaftliches
Gesamtprodukt produziertes
Nationaleinkommen
1950 98,186 30,352
1960 240,271 79,379
1970 405,477 121,563
1980 655,212 193,644
1988 810,963 268,410
Einkommen und Konsum
Dennoch waren einige Konsumgüter in der DDR fast immer knapp. Preise und Löhne wurden überwiegend staatlich festgelegt. Der Staat subventionierte mit einem einheitlichen Verkaufspreis besonders grundlegende Dinge des täglichen Bedarfs. Technische Geräte und andere Waren, die auch gegen Devisen exportiert werden konnten, waren dagegen (an der Kaufkraft der Bevölkerung gemessen) oft sehr teuer. Ein Farbfernseher kostete in den 1980er-Jahren zwischen 3.500 und 6.900 Mark, ein Brötchen fünf Pfennige.
Hochwertige Waren („Waren des gehobenen Bedarfs“) wurden in eigenen Ladenketten zu sehr hohen Preisen angeboten: Lebensmittel in Delikat-Läden, insbesondere modische Kleidung in Exquisit-Läden. In der Einzelhandelskette Intershop konnten Waren aus dem „nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ oder aus Gestattungsproduktion gegen konvertierbare Währungen, nicht aber gegen Mark der DDR erworben werden.
Im Bereich der Medizin- und Arzneimittelversorgung konnte die DDR auch aus Devisenmangel den neuesten Stand nicht oder zumindest nicht überall gewährleisten. Die medizinische Leistung in der DDR war dadurch teilweise unzulänglich.
Für einen Autokauf musste man sich beispielsweise anmelden, um dann, je nach Modell, bis zu 15 Jahre warten zu müssen (zu vergleichsweise hohen Preisen). Ein „Schwarzmarkt“ wurde teilweise geduldet, sodass die Wartezeit durch Zahlung eines höheren Preises umgangen werden konnte. Ein typisches Auto wie der Trabant kostete 10.000 Mark für den Neuwagen mit Wartezeit und 30.000 Mark ohne Wartezeit (die Preisspanne für einen Wartburg betrug 20.000 bis über 30.000 Mark). 1988 besaßen 55 Prozent aller Haushalte mindestens ein eigenes Auto, während es 1969 14 Prozent und 1980 38 Prozent gewesen waren. Im Vergleich dazu besaßen im Jahr 1988 61 Prozent der Haushalte in Westdeutschland ein oder mehrere Autos.
Die Kaffeekrise als Versorgungsengpass des Konsumguts Kaffee Ende der 1970er-Jahre war kennzeichnend für die Knappheit von Konsumgütern. Der Versorgungsengpass dieser nur gegen Devisen auf dem Weltmarkt zu erhaltenden Ware führte zu Bürgerprotesten und Unmut.
Die Kaltmiete für eine Wohnung betrug je nach Ausstattung etwa 30 bis 120 Mark im Monat. Der Bau von Einfamilienhäusern wurde zunächst wegen Materialknappheit in nur engen Grenzen ermöglicht (es gab zum Beispiel Vorschriften zur verbauten Menge an Steinen und vorgeschriebene Haustypen in Abhängigkeit von der Familiengröße), erlebte aber durch den nicht ausreichenden staatlichen Wohnungsbau vor allem in den 1980er-Jahren einen gewissen Aufschwung.
Geringe Mieten und der Aufschwung im staatlichen Wohnungsbau sind im Zusammenhang mit dem effektiv erbrachten Bauaufkommen zu sehen. Eine Analyse der Bausubstanz zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs der DDR macht deutlich, dass die in der DDR vollbrachten Bauleistungen nicht ausreichend waren, um eine funktionsgerechte Bausubstanz zu sichern. Neben Defiziten an Baulichkeiten war auch ein „seit langem zunehmender Bestand stark geschädigter Bauwerke zu konstatieren. Der Bedarf an Bauleistungen überstieg also deutlich das in der DDR effektiv erbrachte Bauaufkommen.“[53][54] Ernstzunehmende Schätzungen stuften 1991 20 Prozent des Gebäudebestands als „unrettbar“ ein.[55]
Die Wohnviertel waren weniger nach Einkommensgruppen homogenisiert als heute in vielen westlichen Ländern. Angehörige verschiedener sozialer Schichten wohnten oft dicht zusammen. Allerdings wurden die Parteinomenklatura und die Mitarbeiter vieler Staatsorgane in bestimmten Wohngebieten durch staatliche Wohnungszuteilungen konzentriert.
Das Einkommen einer Verkäuferin (mit etwa 600800 Mark), eines Ingenieurs (etwa 5001.200 Mark) und eines Bauarbeiters (etwa 9001.800 Mark) unterschied sich in der Höhe und damit auch im Sparpotenzial (Residualeinkommen), die Einkommensschere klaffte aber nicht so stark auseinander wie in den westlichen Industrieländern. Gefragte Handwerker verdienten nicht selten mindestens so gut wie leitende Ärzte. Man konnte diese Unterschiede im täglichen Leben an Statusgegenständen kaum ausmachen, da diese wegen dauernden Mangels kaum erhältlich waren. Sie spielten daher eine weniger beachtete Rolle (Ausnahmen waren beispielsweise Ärzte, die z. B. aufgrund von Bereitschaftsdiensten bevorzugt Telefonanschlüsse erhielten). Trotzdem gelang es vielen, die es sich leisten konnten, sich durch häufige Reisen innerhalb des Ostblocks sowie nach Kuba und teilweise durch westliche Konsumwaren aus der breiten Masse hervorzuheben.
Berufsgruppen mit erwartungsgemäß geringem Zulauf von Auszubildenden wurden besonders gefördert, die Lehrstellen- und Studienplatzvergabe wurde anhand des errechneten Bedarfs zentral geplant und über die Schulen als Lenkorgan realisiert. Die gesetzlich festgeschriebene Bildungsfreiheit war durch diese Voraussetzungen teilweise nur mit größeren Hindernissen für den Auszubildenden zu realisieren.
Die Versorgung mit knappen Gütern wie Telefonanschlüssen oder Baumaterial hing vielfach von Beziehungen oder Zufall ab, nicht selten spielte auch die jeweilige politische Einstellung eine Rolle.
Gescheiterte Wirtschaftsreformen
Honecker leitete zu Beginn seiner Amtszeit vor allem soziale Reformen ein, die sogenannte „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“, die auf dem VIII. Parteitag der SED 1971 beschlossen wurde. Er ließ etwas mehr politischen und kulturellen Freiraum, womit auch die Verhandlungen um eine internationale Anerkennung der DDR befördert werden sollten und versuchte den staatlichen Betrieben mehr Freiräume zu lassen. Honecker galt daher anfangs als Hoffnungsträger. Zugleich ließ er aber in zwei Wellen in den 1970er-Jahren bis auf Kleinhandwerker alle Betriebe verstaatlichen, indem sie gezwungen wurden, eine staatliche Mehrheitsbeteiligung zu akzeptieren.
Die erste Ölkrise in den 1970er-Jahren traf die DDR-Wirtschaft mit deutlicher Verzögerung. Anfangs profitierte die DDR sogar von der verzögerten Anpassung der Ölpreiserhöhungen im RGW-Handel, da sie über die Veredlung sowjetischen Erdöls mehr Devisen im Westen erwirtschaften konnte. In diese Zeit fällt auch die stärkste Wirtschaftsleistung der DDR und wichtige außenpolitische Erfolge und Anerkennung. Honeckers Sozialpolitik ließ die Sozialausgaben ab 1972 stärker steigen als das dem Bruttosozialprodukt vergleichbaren Nationaleinkommen. Demgegenüber kürzte die Sowjetunion aber wegen eigener wirtschaftlicher Probleme 1981/82 die Rohöl-Liefermengen von 19 auf 17 Mio. Tonnen[56] und ließ die Ölpreise im RGW während des Ölpreissturzes 1985 weitgehend unverändert. Die DDR war wieder zunehmend auf die heimische Braunkohle angewiesen, zusätzlich machten ihr Energie-, Umwelt- und Devisenprobleme zu schaffen. Neben den bekannten Devisenbeschaffungsmaßnahmen wie den Außenhandelsbetrieben, den Intershops und dem sogenannten „Zwangsumtausch“ wurden auch geheim gehaltene Devisengeschäfte durch den Bereich Kommerzielle Koordinierung verstärkt. Auch wurde versucht durch Rüstungsexporte, neben dem Hauptabnehmer Sowjetunion auch in Afrika und dem Mittleren Osten weitere Devisen zu erwirtschaften und − weitgehend vergeblich − außerhalb des RGWs Wirtschaftsvereinbarungen über Energierohstoffe zu erzielen. Bereits Anfang der 1980er-Jahre war im Westen von der notwendigen Stabilisierung der DDR die Rede, Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß initiierte einen Kredit über eine Milliarde DM über die Bayerische Landesbank.
Mit dem insbesondere militärisch orientierten Mikroelektronikprogramm ab 1977 zum Aufbau einer eigenen Mikroelektronikindustrie bis 1990 wurden etwa 15 Milliarden DDR-Mark investiert die Sowjetunion nahm aber die Rüstungsprodukte ab Mitte der 1980er-Jahre nicht mehr ab und die zwangsweise Umstellung auf rein zivile Produktion führte wegen der boykottbedingten mangelnden Verfügbarkeit westlicher Basistechnologien zu absurden Kostenstrukturen. Im Vergleich zur Bundesrepublik war die industrielle Infrastruktur verschlissen, die Arbeitsproduktivität gering und die Produktionsmethoden ineffizient. Die Währungsunion kurz vor der Wiedervereinigung basierte, entgegen den Ratschlägen von Fachleuten wie Karl Otto Pöhl und Alfred Herrhausen, auf einem Umtauschkurs von 1:1. Sie setzte die geschwächte DDR-Wirtschaft in direkte Konkurrenz zur Bundesrepublik, brachte die Exporte in den RGW 1990 fast zum Erliegen und trug in der Folgezeit zum Verlust vieler tausender Arbeitsplätze bei.
Das geheime „Schürer-Papier, Analyse der ökonomischen Lage der DDR“ vom 27. Oktober 1989, das zur Rettung der DDR-Wirtschaft beitragen sollte, zog die folgende Schlussfolgerung über einen funktionierenden Sozialismus:
„Insgesamt geht es um die Entwicklung einer an den Marktbedingungen orientierten sozialistischen Planwirtschaft bei optimaler Ausgestaltung des demokratischen Zentralismus, wo jede Frage dort entschieden wird, wo die dafür nötige, größere Kompetenz vorhanden ist.“
In dem Gutachten wurde ausgehend von der aktuellen Staatsverschuldung, sowohl in Mark der DDR wie auch in Devisen (49 Milliarden Deutsche Mark), sowie der voraussichtlichen Entwicklung der Rohstoff- und Weltmarktsituation eine kritische Entwicklung der Staatsfinanzen in absehbarer Zeit prognostiziert. Die in dem Papier zur Vermeidung bzw. Abschwächung dieser Situation gemachten Vorschläge kamen aber nicht mehr zur Ausführung. Da jedoch die geheimen Außenstände und Devisenreserven, die unter anderem vom Bereich Kommerzielle Koordinierung angelegt wurden, unwissentlich nicht mitberücksichtigt wurden, betrug die Auslandsverschuldung jedoch nur 20 Milliarden D-Mark.[57] Die tatsächliche Auslandsverschuldung war der Wirtschaftsführung aufgrund der DDR-internen Informationsverschleierung nicht bekannt.